«Insane-irrung» : Expo solo de Marie-Lou Desmeules à Berlin

Début de l'événement: 

29 mai 2010 - 00:00
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Au nom de mon amie Mari-Lou Desmeules, artiste visuelle de Québec qui vit à Berlin depuis cinq ans, je vous invite à son expo solo "Insane-irrung" . Le
vernissage aura lieu le samedi le 29 mai 2010, à la Neonchocolate Gallery de Berlin (Lychener Straße 23).

www.myspace.com/mari_lou

L'invitation Facebook : http://www.facebook.com/event.php?eid=119669808072307

«La mise en scène ne correspond pas cependant au «monde» d'un vivant, mais bien plutôt à ses alentours, à un environnement dans lequel il est enfermé par une identité qui lui est d'avance pré-formée par un autre.»

«Car l'oeuvre amène un danger à la présentation, le danger de l'écartèlement même de l'être-humain qui se laisse dire ce qu'il a à être sans entreprendre pour soi-même la manière dont il peut être-humain - pour soi - à l'intérieur de ses possibilités langagières.»

«Une expérience authentique de re-connaissance à-l'oeuvre apaise le tiraillement des cicatrices intérieures à l'être-du-vivant et permet à celui qui considère l'oeuvre en tant que telle de reprendre son existence en main, d'assumer pour soi-même d'être... non pas pour l'autre, mais avec d'autres, au sein du jeu pour l'être, où la reconnaissance n'est plus un combat, mais un dialogue.»

Texte : J.M.P. Lamontagne, 2010

PAINTING SURGERIES" ist der Titel einer Serie von Painting-Performance-Fotografien Quebec- geborener Künstlerin Marie-Lou Desmeules, die im komplizierten Schöpfungsakt einen fabelhaften Figurenreigen zum Leben erweckt. Vieldimensionale Natur dieser Werken verursacht, dass der Betrachter, schon auf den ersten Blick, mit einem Bild-Rätsel konfrontiert wird, bei dem die Antworten sowohl in seiner Form als auch in seinem Inhalt recherchiert werden müssen.

Der Kreationsprozess beginnt mit der Wahl des Models, der als ein Leinwand dient („live canvas“), und führt zur fotografischen Registrierung seiner Figur in malerisch-veränderter Gestalt (Artefakt). Die Metamorphose einer realen Person zum Kunstwerk findet mit dem Mittel der Farbe statt. Infolge der mehr oder weniger fortgeschrittener Gesichtsdeformation, bekommt der Model eine neue Identität, die, aufgrund der Verbindung alter Konturen mit einem neuen Inhalt, als eine andere Auffassung des schon Bekannten zu begreifen ist.

Gleich so vieldeutig wirkt die formelle Seite dieser Kreation, weil sie sich im Rahmen der traditionellen Kunstgattungen, wie die Malerei (bzw. Action-Painting), Collage, Skulptur oder Fotografie nicht befassen lässt.

„Painting Surgeries“ sind eine Mischung (Fusion) aller erwähnten Techniken. Diese formelle Vielfältigkeit evoziert viele Assoziationen aus der Kunstgeschichte; diese Schöpfung lässt sich nicht nur mit Malerei von George Baselitz oder Asger Jorn zu vergleichen (sog. Bad Painting), aber auch mit Skulpturen von Edward Kienholz oder Duane Hanson (sog. American Social Critic). Diese Strömungen sind aber auf jedem Fall zu eng um die Werken Desmeules’s zu erklären. Sie treten alle erwähnte Paradigmen über und werden, durch ihre materielle und formelle Vielsichtigkeit, zur außergewöhnlichen und selbstständigen Marke. Ihre Eigenschaften sind nicht nur die Spontanität der Kreation, aber auch großer Sinn für Farbe und Komposition und Marie-Lou‘s Beobachtungsgabe der sozialen Wirklichkeit und ihrer Mystifikationen.

Durch den Titel – „Painting surgeries“ – wird die Parallelität zwischen Malerei und plastischer Chirurgie hervorgehoben. Künstlerische Schöpfung eines Portraits wird der künstlichen Intervention in die Körperoberfläche gegenübergestellt. Die phraseologische Spannung zwischen „künstlerisch” und „künstlich“ wird dadurch verdeutlicht.

Dieser Vergleich zwei nicht so ganz verschiedener Handlungen bestimmt die Richtung weiterer Lektüre, in der die Frage nach der Identitätsveränderung durch die Kreation im V ordergrund steht. Künstlerin, dank der ästhetischen Selbstdisziplin, ruft eine chatakteristische Stilistik hervor, die aus Modezeitschriften und sog. Bildermagazinen stammt. Diese Schöpfungsstrategie weckt im Betrachter eine starke Suggestion, dass Desmeules-Figuren seine Äquivalente in der Wirklichkeit haben. Sie wirken wie Phantombilder – die Spuren der Identität von allgemein erkennbaren Gesichter tauchen auf, bleiben aber unkonkret. Es ist nur eine Paraphrase, die provoziert und beunruhigt. Signifiant ruft nach fehlender signifie. Wenn stilistische Fassade der Vorgestellten fließt langsam durch Deskription des Bildes ab, macht sich der Schein ihrer Kreation (Plastinat) bekannt. Nur ein bloßer Skelett verbleibt. So wird diese künstlerische Konstruktion gleichzeitig zu Dekonstruktion der Bilderkultur. Ist hier die Farbe eine Metapher von Botox? Schon positive Antwort auf diese Frage hat ein sublimierter Shock-Effekt. Sind die Celebriten doch so einfach und trivial? Viva la ‘Obsession Grande’ – konnte man sagen. Simulacrum (Jean Baudrillard) ist entstanden. Die Grenze zwischen Realität und Illusion verwischt sich.

Diese künstlerische Maskerade gelingt, wegen der Verwandlung der Figur in einen satirischen Objekt. Der Betrachter findet bei Marie-Lou viele Anti-Establishment-Tones, die sich nicht

zum bloßen Protest zu reduzieren lassen. Die Kritik ist hier nicht die einzige als auch nicht dominierende Bedeutung. „Painting Surgeries“ sind sogleich faszinierend als refleksiv.

Ihre Lektüre der Bilder führt zu einer generellen Reflexion, die sich zwischen der Erfahrung von Vanitas (grotesque memento mori) und einer Apotheose der Selbstdetermination durch die Aura der Kunst situiert. Die Bedeutung ist sogleich durch Selbstbewusstsein als auch durch Ironie determiniert.
Die Desmeules-Bilder irritieren uns manchmal oder scheinen uns trivial zu sein, weil durch das innere Spiel mit der visuellen Kultur und aktueller Kanone der Schönheit, sich eine hartnäckige Frage aufzwingt: ist es nämlich nicht so, dass wir in unserer individueller Suche nach einem außergewöhnlichen Auftreten, Celebriten nachahmend, nicht in ein Massenschema geraten?

Mat Maria Bieczyński, Berlin 2010

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